Alpirsbacher Antiphonale

AntiphonaleDas Alpirsbacher Antiphonale besteht aus acht Bänden, die die Stundengebete für die Wochentage der festlosen Zeiten, die Horen und Messen für die drei Hochfeste sowie in einem weiteren Band Messen für Sonntage und andere (kleinere) Feste enthalten:

Festtage:
•    Weihnachten & Epiphanias (2013, 2. Auflage 2022)
•    Ostern (2014, 2. Auflage 2023)
•    Pfingsten (2014, 2. Auflage 2026)
Wochentage:
•    Sonntag (2015)
•    Montag & Dienstag (2016, 2. Auflage 2020)
•    Mittwoch & Donnerstag (2025)
•    Freitag & Samstag (2027)
Die Feier der Messe (2022)

2013 war außer der Reihe ein kleiner Band „Complet – Ausgabe für die Gemeinde“ erschienen.

 

 

SanctusDie Erstausgaben ab 1933

Schon unmittelbar nach Beginn der Alpirsbacher Arbeit im Jahre 1933 durch Richard Gölz hatte Friedrich Buchholz  begonnen, einzelne Stundengebete und Messen für die KAA zu edieren. Manche wurden handschriftlich vervielfältigt, manche erschienen im renommierten Verlag Pustet, andere als Beilage der „Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst“ bzw. der „Württembergischen Blätter für Kirchenmusik“ oder als Privatdrucke. Diese Erstausgaben zeigen an vielen Stellen noch das Tastende und Suchende, sowohl textlich als auch musikalisch. 

Die Ausgaben 1950-1972Buchholz

Nach dem Krieg und dem Ausscheiden von Gölz begab sich Buchholz an eine zweite, revidierte und systematische Ausgabe, für die er intensive semiologische Forschungen betrieb. In der Reihe der von ihm selbst scherzhaft so genannten „gräulichen Hefte“ legte er zwischen 1950 und seinem Tode das komplette Wochentagsoffizium und die Hochfeste als Einzelhefte vor.  Er selbst nannte diese Ergebnisse stets „vorläufig endgültig“, und was die semiologische Forschung angeht, so haben sich in den vergangenen Jahrzehnten derart viele neue Erkenntnisse ergeben, dass die Richtigkeit dieser Einschätzung immer deutlicher zutage trat. 

Unmittelbar nach Buchholz‘ plötzlichem Tod 1967 gab Hermann Amlung (1934-2017) den von Buchholz druckfertig hinterlassenen Band „Matutin“ heraus; er versah die noch nicht gesetzten, sondern nur in Buchholz‘ Handschrift vervielfältigten Oster- und Pfingsthefte für einen Nachdruck mit einem maschinenschriftlichen Text, fügte das unrevidierte Weihnachtsheft von 1937 der Sammlung hinzu und gab aus Buchholz‘ Nachlass 1972 den Band „Messe an Epiphanias“ heraus. 

Diese für viele Jahrzehnte weit über die KAA hinaus stilbildende Zweitausgabe des Alpirsbacher Antiphonale bestand damit aus folgenden Bänden:

    • Matutin (1969)
    • Laudes (1953)
    • Sext (1962)
    • Vesper (1956)
    • Complet (1950)

    • Gesänge zur Messe (1951)
    • Ordnung und Gesänge der Messe (1966)

    • Weihnachten (1937/1977)
    • Ostern (1952/1974)
    • Pfingsten (1953/1981)
    • Messe an Epiphanias (1972)

 

Die Frage der Textgestalt

Spätestens nach dem Erscheinen der revidierten Fassung der Lutherbibel 1984 kam neben dem Fortschreiten der semiologischen Erkenntnisse als neue „Baustelle“ das Problem der Textfassung hinzu. Buchholz hatte von den 1930er bis in die Mitte der 1960er Jahre selbstverständlich den Luthertext in der damals kirchenamtlich gültigen Revision von 1912 benutzt. Aber nach dem Abschluss der Revision 1956 (NT) bzw. 1964 (AT) sahen er und der Leitungskreis keinen Grund, sich dieser neuen Revisionsstufe anzuschließen – was nicht einer gewissen Ironie entbehrte, da Buchholz Mitglied der Bibeltextkommission gewesen war, die Ende der 1930er Jahre die Arbeit an der Revision des 1912er Textes begonnen hatte, was aber kriegsbedingt zu keinem Abschluss gekommen war. An der Arbeit der Revision 1956/64, die nach Kriegsende neu begann, war Buchholz nicht mehr beteiligt. Allerdings hatte Buchholz in jener ersten Bibeltextkommission Bekanntschaft mit Rudolf Alexander Schröder (1878-1962) gemacht und ihn für die Übersetzung der altkirchlichen Hymnen gewinnen können.

Von Eberhard Weismann (1908-2001) liegt ein Referat vor, in dem er die Vorteile der 1912er Fassung gegenüber der von 1964 vor allem bezüglich der Singbarkeit der Psalmen darlegt. Diese Auffassung wurde jedoch Ende der 1980er Jahre unhaltbar: Der Luthertext von 1912 war nicht nur zunehmend altbacken oder schlicht unverständlich, sondern an zahlreichen Stellen auch einfach falsch übersetzt. 

 

Die Vorarbeiten zur Revision

Der Leitungskreis der KAA, dem in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche renommierte Kirchenmusiker*innen, Liturgiker und Hymnologen angehörten (wie z.B. LKMD Hartmut Schmidt (1930-2006), Prof. Gerd Zacher (1929-2014), KMD Beate Seiler-Schmidt (1921-2014), Eberhard Popp (1929-2016), KMD Hans-Dieter Schlosser (1940-2011) oder der schon genannte Hermann Amlung) beschäftigte sich viele Jahre intensiv mit diesem Problem. Schließlich berief er einen Redaktionskreis ein, dem seit Anfang der 2000er Jahre Hans-Dieter Schlosser, Stiftskantor Rudolf Rienau (1939-2022), KMD Prof. Pfr. Gero Soergel und OKR Pfr. Dr. Thomas Bergholz angehörten. Später stießen OStR Elisabeth Hofmann und Pfr. Alexander Beck zum Redaktionskreis hinzu. Mehrfach traf sich der Leitungskreis, der Kantor*innenkonvent und auch der Redaktionskreis in jenen Jahren mit renommierten Gregorianikforschern und nahm an nationalen und internationalen Tagungen teil. So wurde schon unmittelbar nach Beginn der Arbeit deutlich, dass der ursprüngliche Kompromissbeschluss des Leitungskreises, nämlich einer zurückhaltenden Durchsicht resp. minimalen Revision der Noten mit Neuunterlegung des revidierten Luthertextes, unhaltbar war. Die von Buchholz scherzhaft „Antiphonen-Backen“ genannte Arbeitsweise beruhte einerseits auf lange überholten semiologischen Erkenntnissen und war andererseits von ihm punktgenau auf den alten Luthertext angewandt worden. Wenn diese komplexe und zugleich fragile Konstruktion an einem Punkt angegangen würde, drohte das ganze „Gebäude“ einzustürzen. Sollte der Alpirsbacher Weg einer deutschen Gregorianik mit möglichst originalen Melodien weiter verfolgt werden, blieb nur, alles einer grundlegenden Revision anhand der Originale bzw. der neuen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Ausgaben zu unterziehen.

Weitere Menschen, die bisher noch nicht genannt wurden, waren bei der Entstehung dieser Bände wesentlich mitbeteiligt, allen voran und absolut unverzichtbar Pfr. i.R. Erich-Walter Pollmann, der bis zu seinem Tode 2022 die aufwändige Eingabe der Texte und vor allem der Noten aller Bände der Neuausgabe vollständig geleistet hatte. Die Gebete im Anhang wurden von Pfr. Prof. Dr. Joacim Conrad bearbeitet. Die aufwändige Arbeit der Endredaktion lag für alle Bände in den Händen von Elisabeth Hofmann.