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Friedrich Buchholz

Friedrich Buchholz (* 14.12.1902 Dessau, † 15.03.1967 Darmstadt) war von Hause aus Kunsthistoriker und überreichte seine Promotion in diesem Fach 1927. »Denkwürdig« nannte er selbst in einem Lexikonartikel in RGG³ die Begegnung mit Richard Gölz auf der ersten Alpirsbacher Woche 1933. Gölz wiederum notierte bei der vierten Tagung (01.-07.01.1935): »Von Woche zu Woche hat sich deutlicher gezeigt, dass Dr. Buchholz der uns gegebene Cantor ist.« Dass ein Genie das andere zu erkennen und sich darauf einzustellen vermochte, ist der glücklichste Umstand der Kirchlichen Arbeit Alpirsbach und zeigte sich rasch, als Gölz das Amt des Cantor primarius an den soviel Jüngeren abgab. Ebenso vertraute er ihm die musikwissenschaftliche Forschung an. Buchholz - von Hause aus wirtschaftlich unabhängig - widmete sich der Gregorianikforschung. Er legte eine umfangreiche Kartei an und begann mit dem »Antiphonenbacken«, d.i. der Versuch, den Luthertext von 1545 mit den lateinischen Noten in Beziehung zu setzen. »In aller Vorarbeit drückt meine schwachen Schultern oft sehr die dreifache Verantwortung vor Theologie, Musik und Sprache. Antiphonen-backen ist, von da aus gesehen, wirklich kein freundliches Spiel [...] Oder um ein anderes Bild zu gebrauchen: Die Welt der gregorianischen Melodien hat ein Klima von großer Herbheit, das schwachen Herzen nicht zuträglich ist, aber unser einem doch die Lungen weitet und in vielem das rechte Atmen - nicht das Schnaufen erleichtert.«

Bereits im April 1936 hielt Gölz fest: »Erstmals deutsche Messe mit gregorianischem Gesang.« Buchholz stieg immer tiefer in die Arbeit ein, und so ist es nicht verwunderlich, dass eine wirkliche Kapazität, Pater Dr. Urbanus Bomm OSB (1901-1982), Cantor und Subprior der Abtei Maria Laach und ihr späterer fünfter Abt, bei der 13. Woche (24.09.-01.10.1936) selbst in Alpirsbach weilte; ein reger Briefwechsel zwischen Buchholz und P. Dr. Urbanus Bomm ist noch vorhanden.

Seit 1939 bemühte sich Richard Gölz ohne Unterlass, von der Landeskirche die notwendige Anerkennung der Kirchlichen Arbeit Alpirsbach zu erfahren. Er bat darum, man möge Friedrich Buchholz als landeskirchlich besoldeten Cantor in Alpirsbach einsetzen. Doch selbst ein letztes Gespräch mit Landesbischof Theophil Wurm brachte kein Ergebnis. Buchholz wurde Soldat; Richard Gölz versuchte, mit wenigen Kräften die Arbeit in den Kriegsjahren aufrecht zu erhalten.

Als Richard Gölz nach dem Debakel der Bebenhausener Wochen aus der Alpirsbacher Arbeit ausschied, leitete Buchholz die Arbeit als Präses; ein siebenköpfiges Kuratorium trat hinzu. Vier Diözesen bildeten sich: Württemberg mit den Zentren Alpirsbach, Maulbronn und Blaubeuren, Rheinland mit St. Arnual bei Saarbrücken, Westfalen mit Soest und Lippstadt und Thüringen mit Erfurt. Am 18. Juli 1961 erhielt Buchholz die theologische Ehrendoktorwürde der Universität Bonn; er lebte - durch den Krieg verarmt - im Elisabethenstift in Darmstadt, wo er 1967 starb.

Joachim Conrad